Katerina Poladjans erster Roman ‘In einer Nacht, woanders’

von  27. April 2012

Dass die Schauspielerei mit dem Autorendasein fest verbandelt ist, ist im Grunde nahe liegend, geht es doch in beiden Fällen um das Erzählen von Geschichten und die Darstellung von Charakteren. Nun hat sich auch die in Moskau geborene, deutsche Schauspielerin Katerina Poladjan auf dieses Terrain begeben und mit „In einer Nacht, woanders“ ein Debüt abgeliefert, in dem sie die effektvoll den Gegensatz zweier Kulturen schildert.

Ein weißer Hase schaut ins Dunkle: Das Buchcover von “In einer Nacht, woanders”

Die 43-Jährige erzählt in ihrem Roman die Geschichte der Russin Mascha, die einen Teil ihrer Kindheit bei ihrer Großmutter Tamara in Russland verbringt. Plötzlich wird sie diesem Idyll entrissen und muss mit ihren Eltern ins fremde Deutschland auswandern. Als junge Frau bekommt sie einen Anruf, ihre Großmutter sei gestorben. Tamara war zu Lebzeiten eine berühmte Raumfahrtsingenieurin mit hohen Verbindungen. Mascha wird darum gebeten, nach Russland zu kommen, um das Haus ihrer Großmutter zu verkaufen. So macht sie sich auf den Weg in die ehemalige Sowjetunion, in den Randbezirk Moskaus, und in ihre eigene Vergangenheit. Je weiter der Verkauf und die Räumung des Hauses fortschreiten, desto mehr stellt Mascha ihre eigene Identität und Herkunft in Frage und realisiert, dass vieles nicht so war, wie es einst schien. Bei der Begegnung mit Pjotr, dem Mann, der für ihre Großmutter mehr als nur ein Hausgehilfe war, tauchen Fragen auf, dringt das Verborgene an die Oberfläche. Das Bild der perfekten Großmutter löst sich auf und weicht dem einer ganz anderen Realität. Immer mehr fügen sich die Puzzleteile zu einem Ganzen und sie lüftet das Geheimnis ihrer Eltern und deren Gründe, Hals über Kopf samt Kind aus Russland zu fliehen.

Portrait der Autorin

„In einer Nacht, woanders“ thematisiert nicht nur die berühmte Reise zu sich selbst, es handelt sich hierbei auch um die Aufarbeitung einer Familiengeschichte mit nervenaufreibenden Thriller-Qualitäten. Katerina Poladjans Roman wechselt zwischen Erinnerung, Traumwelt und Realität. Dieser Erzählstil ermöglicht es, die Szenerie gleichzeitig in der Gegenwart, in der Vergangenheit und durch die zwielichtige Welt der Gefühle der Erzählerin zu begreifen.
Auch die Autorin wurde in Russland geboren und wanderte in ihrer Kindheit mit der Familie nach Deutschland aus. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin.

Katerina Poladjan: “In einer Nacht, woanders”, Rowohlt Verlag Berlin, 176 Seiten, ISBN 978-3-87134-717-7

(Fotos: Verlag Rowohlt Berlin)