Der Roman ‘Der Sommer ohne Männer’ von Siri Hustvedt

von  2. März 2012

Unter den New Yorker Intellektuellenpaaren sind Siri Hustvedt und Paul Auster wohl eines der berühmtesten und glanzvollsten. Kein Wunder, haben die beiden doch schon eine Vielzahl international gefeierter Romane publiziert. Nun hat Siri Hustvedt ein neues Buch veröffentlicht, das den stimmigen Titel „Der Sommer ohne Männer“ trägt. Wa darf man also von dem neuesten Streich der 57-Jährigen erwarten?

Paul Auster und Siri Hustvedt

Siri Hustvedt wurde am 19. Februar 1955 in Northfield, Minnesota, geboren und wollte schon früh Schriftstellerin werden – sie verfasste schon in der Highschool erste Gedichte.1981 lernte sie Paul Auster kennen, die beiden heirateten ein Jahr später. 1987 kam ihre Tochter Sophie zur Welt. Hustvedt studierte Englische Literatur an der Columbia University und schloss das Studium mit einem Doktortitel ab. Die Amerikanerin mit norwegischen Wurzeln veröffentlichte zahlreiche Romane, unter anderem „Die Verzauberung der Lily Dahl“ (1997), „Was ich liebte“ (2003) oder „Die Leiden eines Amerikaners“ (2008).

Das Buchcover zum 2011 erschienen Roman

In „Der Sommer ohne Männer“ verbringt die gebildete, ziemlich clevere und sensible Ich-Erzählerin Mia Fredricksen einen männerlosen Sommer in der amerikanischen Kleinstadt, in der ihre Mutter Laura lebt. Die Mittfünfzigerin Mia entscheidet sich für diese Auszeit, nachdem ihr Ehemann, der Neurobiologe Boris Izcovich, sie für eine zwanzig Jahre jüngere Frau verlassen hat und sie einen daraus resultierenden psychischen Zusammenbruch verkraften muss. In der amerikanischen Idylle begegnet sie Lauras greisen Freundinnen, die eigene Vergänglichkeit und Krankheit vor Augen haben, einigen stark pubertierenden Mädchen in einem Poesie-Workshop und einer jungen Nachbarin mit zwei kleinen Kindern. All diese Schicksale und Charaktere inspirieren Mia dazu, über ihr eigenes Leben zu reflektieren und schaffen ihr schließlich eine neue Perspektive und einen positiven Blick auf ihr Dasein. Ob Boris und Mia am Ende einen Neuanfang wagen, bleibt offen.

Das wirklich Spannende an diesem Roman ist, dass er, trotz der Krise, in der sich die Hauptfigur befindet, sehr charmant und witzig geschrieben ist. Weder driftet die Autorin in einen klischeebehafteten Frauenroman ab, noch behandelt sie das Thema überdramatisch oder allzu psychoanalytisch. Und genau da offenbart sich wieder einmal Siri Hustvedt Stärke – nämlich die Fähigkeit, intellektuell anspruchsvoll und keineswegs flach, aber doch unterhaltsam, kraftvoll und mit einer guten Portion Autobiographie zu schreiben, die ihren Büchern immer einen ganz besonderen, charakteristischen Stil verleiht.

“Der Sommer ohne Männer” von Siri Hustvedt, Deutsche Übersetzung: Uli Aumüller, Rowohlt, Reinbek 2011, ISBN 978-3-498-03010-0