Ausstellung ‘Schwarze Romantik’ im Frankfurter Städel Museum

von  9. November 2012

Eine Frau ganz in weiß liegt bewusstlos dahintersteckt. Ihre Haltung zeigt einen Hauch von Erotik. Dieser verweht gleich wieder, sitzt doch auf ihrer Brust ein teuflisches kleines Wesen. Und dann kommt da noch dieser Pferdekopf mit den weit geblähten Nüstern und gespenstisch aufgerissenen Augen aus der Dunkelheit auf den Betrachter zu… Mit diesem Gemälde mit dem Titel „Der Nachtmahr“ von Johann Heinrich Füssli von 1781 beginnt die Ausstellung “Schwarze Romantik. Von Goya bis Max Ernst”, die derzeit im Städel Museum in Frankfurt zu sehen ist. Und mit diesem Bild wird eigentlich auch schon auf den Punkt gebracht, was die Ausstellung zeigt: Dunkle, surreale Welten jenseits der Vernunft.

Johann Heinrich Füsslis (1741–1825) ‘Der Nachtmahr’ von 1790/91 © Frankfurter Goethe-Haus – Freies Deutsches Hochstift

Es ist eine Ausstellung, die von der kunstgeschichtlichen Strömung oder besser gesagt Geisteshaltung der Romantik ausgeht und aufzeigt, wie deren Einfluss bis in die Moderne hinein nachgehalt hat. So sieht man neben den klassischen, melancholisch anmutenden Landschaftsbildern Caspar David Friedrichs, die ein Paradebeispiel der deutschen Romantik darstellen, auch Filme wie Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu“ oder James Whales „Frankenstein“. Das Abnorme tritt dem Rationalen entgegen und rennt es einfach um.

Filmstil aus Friedrich Wilhelm Murnaus (1888–1931) ‘Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens’ von 1922 © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Dabei ist die Entwicklung dieser Schwarzen oder auch Schauerromantik rein historisch leicht nachzuvollziehen: Die Aufklärung rückte die Vernunft in den Mittelpunkt. Klassische Schönheit und ausgewogenes Maß beeinflussten das Denken. Doch trotz der vielen Erkenntnissen und tugendhaften Vorstellungen versank die Welt im Grauen. So zum Beispiel in der französischen Revolution, die aus einem hehren Freiheitsgedanken geboren zu einem Massaker ausartete. Die Schrecken der Wirklichkeit, die Sehnsucht nach etwas Mystischem aber auch die Ahnung, dass auch dort Unheil lauert, fließen in viele Werke dieser Epoche ein. Und das ist bis heute so geblieben. Denn wo die Ausstellung einen selbstgewählten Strich vor Beginn des zweiten Weltkrieges zieht, könnte man bis heute Beispiele finden, die diesem Schatten der Vernunft durchaus huldigen.

Die Ausstellung wird nach ihrem Ende im Pariser Musée d’Orsay zu sehen sein.
„Schwarze Romantik. Von Goya bis Max Ernst.“, Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main bis 20. 01.2013